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Artikel im HH Abendblatt von Helge Sobik

Kleine Fluchten:
Das Hotel "Pronstorfer Torhaus" auf Gut Pronstorf bei Bad Segeberg folgt keinem Trend

Für den Weckruf ist Heinrich zuständig. Er meldet sich bei Sonnenaufgang zuverlässig und unaufgefordert, und tat es in seinen Dienstjahren vor der Hotel-Eröffnung nicht anders. Er will damit ein bisschen Eindruck schinden - nicht vorrangig bei den Menschen, sondern bei seinem Team: damit die elf Hennen unter seiner Fuchtel genügend Frühstückseier für die Gäste der zehn Zimmer im neuen Hotel "Pronstorfer Torhaus" auf Gut Pronstorf am Wardersee legen. Nicht dass Hahn Heinrich stört. Man hört ihn nur, wenn das Zimmerfenster geöffnet ist. Außerdem gehört er hierher, passt perfekt ins Gutshof-Ambiente.

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Erst vor drei Jahren hat die Grafen-Familie zu Rantzau entschieden, dem landwirtschaftlich genutzten Gut sein altes Gesicht wiederzugeben. Stallgebäude aus der Nachkriegszeit wurden entfernt, versiegelte Flächen aufgebrochen. Wo Beton war, wurde Rasen gesät, und wo Asphalt war, wurde Kopfsteinpflaster gelegt.

Die Landwirtschaft wurde aus dem eigentlichen Gutshofbereich in eine Feldscheune ausgelagert, das 70 Meter lange und 20 Meter breite Torhaus nun binnen zweijähriger Bauzeit in ein außerordentlich schönes Hotel voller Geschmack verwandelt: eine Idee, für die anfangs sehr viel Fantasie notwendig gewesen sein muss.

Denn es hat enormen Aufwand erfordert, sämtliche Silo-Einbauten aus dem als Getreidespeicher und Pferdestall genutzten Gebäude zu entfernen und Zwischenböden zu beseitigen, dann in das Dach unter Einhaltung der Denkmalschutz-Vorschriften Gauben einzusetzen. Geschosshöhen waren neu festzusetzen und Decken zu ziehen. Zum Einsatz kamen dabei aufgearbeitete alte Balken und neue aus eigenem Holz, das durchweg aus den gräflichen Wäldern der Umgebung stammt. Für die Fenster wurde Eiche verarbeitet, für die Fußböden gebleichte Lärche.

"Wäre ich hier nicht schon zu Hause, ich würde glatt einziehen wollen", freut sich Hans-Caspar Graf zu Rantzau jetzt, der den Umbau gemeinsam mit seiner Frau Antje überwacht und fast im Tagesrhythmus neue Ideen eingebracht hat. "Das war unser Vorteil", sagt er im Rückblick. "Wir konnten immer sofort entscheiden, Pläne abändern, Details verbessern, in einigen Zimmern mit immenser Deckenhöhe zum Beispiel Emporen einbauen und die Betten dorthin verlegen."

Heute gleicht kein Zimmer dem anderen. Gemeinsam haben sie mit Blick fürs Detail gestaltet und eingerichtet - stilvoll und zugleich bodenständig, mit Klasse, aber ohne auch nur im Ansatz steif oder ungemütlich zu sein. Es sind Wohlfühlzimmer geworden, in denen man sich gerne aufhalten mag. Zuständig dafür war Antje zu Rantzau, die Wandfarben und Dekor ausgesucht hat und bis nach Spanien reiste, um die passenden Fliesen für die Bäder zu finden. "Wir wollen mit diesem Hotel in all seinen Details keinem Trend folgen. Modeerscheinungen gehen an uns vorbei, das hier soll überdauern", erklärt Hans-Caspar zu Rantzau. Vorausgegangen waren gemeinsame Recherchereisen der beiden Rantzaus kreuz und quer vor allem durch Mecklenburg-Vorpommern und Dänemark, um Anregungen für das Hotelprojekt zu sammeln.

Mit der ganzen Familie haben sie dann zunächst den Dachboden des barocken Herrenhauses von 1728 durchstöbert und alles an Mobiliar in eine Scheune geschleppt, was dort oben zum Teil vor Generationen eingelagert worden war. Was immer zu retten war, wurde nun in der Tischlerei des Guts in zum Teil mühseliger Kleinarbeit restauriert. Sessel und Sofas wurden neu bezogen - und schmücken nun in einer Mischung aus alt und neu ergänzt um stilvolle Stücke aus Frankreich und Belgien die Zimmer und Aufenthaltsräume des kleinen Hotels. Eröffnung feierte das Haus am 8. Mai 2010. Bis Jahresende kommen Sauna- und Seminarbereich hinzu.

Und ab nächstem Frühjahr wird Hahn Heinrich noch mehr Hennen zu kommandieren haben, weil mehr Eier gebraucht werden. Denn zu den zehn Zimmern werden bis dahin noch elf weitere in der anderen Hälfte des riesigen Torhauses hinzugekommen sein - auch diese bestückt mit aufgearbeiteten Möbel-Schmuckstücken aus dem gräflichen Fundus.

Der Markt dafür ist da: Im Umkreis von 20 Kilometer Luftlinie befinden sich sechs, im 30-km-Radius sogar zwölf Golfplätze. Der Platz in Wensin ist acht Kilometer entfernt. Zudem ist das Gut seit Jahren Spielstätte des Schleswig-Holstein-Musikfestivals, und an den Adventswochenenden ist die "Pronstorfer Weihnacht" bereits Institution.

 

► Traumhafte Nächte im Pronstorfer Torhaus (Mai 2010)

Artikel in "Welt am Sonntag"

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