(Lübecker Nachrichten, 9. November 2011)
Drei Gänge à la Antje Gräfin zu Rantzau
Im ersten Teil der NDR-Serie „Von und zu lecker“ kommen heute Abend fünf adelige Damen zum Gut Pronstorf.
PRONSTORF Kochen für Sechs ist für Antje Gräfin zu Rantzau eigentlich kein Problem. Aber ein Drei-Gänge-Menü für fünf adelige Gäste zu zaubern, wenn ein Kamerateam in der Küche herumwirbelt, war dann doch eine Herausforderung. „Alles musste mindestens zwei Mal gedreht werden“, sagt Antje zu Rantzau. Das Ergebnis ist heute Abend als Auftakt der Serie „Von und zu lecker“ ab 21 Uhr im NDR-Fernsehen zu sehen.
Ihre Gäste, fünf adelige Damen, kannte die Gräfin vorher nicht, ebenso wenig wie deren kulinarische Vorlieben. „Als erstes habe ich gefragt, ob eine Vegetarierin dabei ist“, erinnert sie sich. Nachdem das ausgeschlossen wurde, habe sie sich bei einem Kurzurlaub in Tirol das Menü überlegt. „Das hat Spaß gemacht“, sagt sie.

Fast täglich kocht Antje Gräfin zu Rantzau für die Familie,
doch am liebsten tischt sie festlich auf. Foto: Materne
Das festliche Kochen komme bei der Arbeit auf dem Gut, mit Hotel und den Veranstaltungen, oft zu kurz. Beim Menü ließ sich Antje zu Rantzau vom Gut Pronstorf inspirieren. Als Vorspeise fiel die Wahl auf Wildcarpaccio mit Sauerampfer-Rucola-Salat. „Wild, das passt zu uns, unser Wild wird auch auf dem Weihnachtsmarkt vermarktet.“ Und da seit Januar die Fischerei wieder in Eigenregie in Betrieb genommen wurde, kam der Zander mit Bärlauch-Rucola-Pesto an Kräuterzabaione und Graupenrisotto auf die Karte. Tückisch, denn: „Als ich das Menü im Sommer zusammengestellt hatte, habe ich gar nicht daran gedacht, dass es im September, wenn die Folge gedreht wird, keinen Bärlauch mehr gibt“, erinnert sie sich. Am Ende musste getrockneter Bärlauch ausreichen. Auch beim Fisch musste die Gräfin improvisieren: Ehemann Hans Caspar fischte statt des Zanders einen 15-Kilo-Karpfen aus dem Wardersee. Glücklicherweise konnte der Nachbarfischer aushelfen: „Wenn auf der Karte Zander steht, muss es auch Zander sein.“ Zum Nachtisch gab es zu Rantzaus Lieblingsspeise Crème Brûlée.
Bis auf das Dessert ist das kein Menü, das die Gräfin häufig zubereitet. Vor der Kamera zu kochen, habe nichts mit normalem Kochen zu tun, da jeder Schritt mehrmals gedreht werden müsse. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so stressig wird“, gibt sie zu. Ihren Mitstreiterinnen konnte sie bei den Gegenbesuchen während der vergangenen Wochen dafür Tipps geben. Die Erfahrung habe sie jedoch genossen, nicht nur das Kochen, auch die Besuche bei den Frauen: „Wir sind alles unterschiedliche Typen mit ganz verschiedenen Hintergründen“, sagt Antje zu Rantzau.
Maria vom Hove aus dem Münsterland beispielsweise sei Psychologin. „Mit ihrer Praxis führt sie ein ganz anderes Leben als wir“, bemerkte Antje zu Rantzau. Leonore Freifrau von Falkenhausen wiederum sei Sopranistin und Öne Freifrau von der Lancken Porzellankünstlerin in Lüneburg. Bei Tania von Schöning sieht sie die meisten Parallelen zu Pronstorf: Auch auf dem Rittergut Remeringhausen würden viele Festlichkeiten veranstaltet. Zum Schluss ging es zum Schloss Rheder von Gabriele Freifrau Spiegel von und zu Peckelsheim mit angeschlossener Brauerei. Doch wer am Ende zur adeligen Spitzenköchin gekrönt wird, erfährt der Zuschauer erst am 14. Dezember.
Nadine Materne
Chuck Leavell und Band ließen beim Konzert vor 600 Gästen auf Gut Pronstorf erstaunlich viel Jazz hören.
(Kieler Nachrichten, 1. September 2011)
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Der Pianist und Holzwirt Chuck Leavell, der seit über 20 Jahren die Rolling Stones an den Tasten begleitet, tritt auf Gut Pronstorf auf
PRONSTORF Ein Mann, eine Mission: „Bäume sind die besten Freunde der Menschen“, sagt Chuck Leavell. Den kennt man eigentlich als langjährigen Keyboarder und musikalischen Direktor der Rolling Stones. Dass der Pianist auch Waldbauer ist, wissen in Europa bislang nur wenige. Das wird sich 2011, dem internationalen UN-Jahr der Wälder, ändern.
In Deutschland gibt Leavell mit seiner Band drei Konzerte; eines davon am 30. August auf Gut Pronstorf. „Wo, wenn nicht bei uns?“, hat sich Hausherr Hans-Casper Graf zu Rantzau gefragt, Leavell im Jahr der Wälder nach Pronstorf gelockt und im Kuhstall Platz für 800 Gäste geschaffen. „Schleswig-Holstein kannte er noch nicht“, sagt der Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Waldbesitzerverbandes, der Leavells künstlerisches Feld wohl kennt, jedoch keine tiefreichenden Verbindungen dazu hat. Gehandelt hat er dennoch umgehend. Der Wald sei schließlich für alle Menschen von Bedeutung, sagt er, da ziehen Musikstile keine Grenzen. Der beste Beweis dafür ist sein Gast selbst.

Die Herren rechts sind ständig dabei, der Mann links am Keyboard nur im Studio und auf Tour:
Chuck Leavell mit Keith Richards und Ron Wood (v. links).
Chuck Leavell, 1952 in Birmingham, Alabama geboren, saß für die Allman Brothers am Keyboard, bevor er für Eric Clapton, George Harrison, Aretha Franklin, Ann Womack oder die Indigo Girls spielte. Die Stones begleitet er seit rund 20 Jahren. Da hat er seine Aufgabe einmal so beschrieben: „Mick, Keith, Charlie and Ronnie bei Laune halten.“ Auf der Internet-Plattform stonestreff.com bezeichnet ein Fan seine Verdienste um die älteste Rockband der Welt ganz unverblümt so: „Er gibt den Takt vor und passt gut auf, dass die Rotzlöffel an den Zupfinstrumenten nicht aus dem Klangbild fallen.
Sein Tastengriff ist das kreative Tongrundgerüst. Die spärlichen Riffs von Onkel Richard sind heute wirklich kein fundamentaler Beitrag mehr für eine Stones-Schau. Die taugen eher als untrüglicher Beweis, dass der Sargdeckel noch nicht ganz zugeschlagen ist. Und Ronnie spielt zeitweise gute Motive, ja. Aber alles muss im Fließen bleiben und die Kontrolle darüber ist Chucks Mission.“Wie bei den Rolling Stones wird es auf Gut Pronstorf indessen nicht klingen. Da zeigt der Künstler am Konzertflügel, begleitet von seiner eigenen, mit deutschen Musikern bestückten Band, seine Blues-Wurzeln. Über seine Band-Mitglieder hinaus bindet ihn vor allem auch folgende Überzeugung an Deutschland: Hier, sagt Leavell, stehe die Wiege der nachhaltigen Waldwirtschaft, und zu der ist er gekommen, wie der Rocker zum geregelten Leben. Vor 30 Jahren erbte seine Frau Rose Lane, ein Kind des ererbten Landes, nahe Macon im US-Bundesstaat Georgia gut 480 Hektar Wald. Leavell, damals mit „The Fabulous Thunderbirds“ unterwegs, begann zwischen den Shows Waldwirtschaft zu büffeln. 1999 wurde er als „Waldbauer des Jahres“ ausgezeichnet. Sein grünes Reich namens „Charlane“ ist derweil auf rund 810 Hektar angewachsen – ein Paradies, wie seine Betreiber sagen, für Truthahn- Wachtel-, Rotwildjäger und für alle, die entspannen wollen.
Chuck Leavell, das ist ein Musiker, wie man ihn in einer Stadt wie Hamburg vermuten würde, sagt sein Gastgeber Graf Rantzau. „Aber er kommt zu uns, weil auch der Wald hier ist.“
Karin Lubowski
